Ein Abend mit den GENETIKS - 01.11.13 Mönchengladbach, BluNoise-Fest

Gegen 19:15 Uhr trödeln Maik Dornberger und Guido Lucas in der KOPFPUNK-Redaktion ein – zu diesem Zeitpunkt befinde ich mich natürlich längst auf dem Stream und habe bereits ein paar Highlights der 2010er CD „Schwarzbuch Deutscher Postpunk“ gespielt. Der charismatische Sänger des Nürnberger Quartetts ist etwas angeschlagen, kein Wunder bei dem regnerischen Wetter, kein Wunder bei der Rumgurkerei: die GENETIKS sind auf Tour und kommen gerade aus Braunschweig, wo sie mit KLOTZS das Nexus auseinander genommen haben. Bei Pfefferminztee und Flens führen wir ein sehr interessantes Interview, welches aber gegen 20 Uhr sein reguläres Ende findet, da die Band bereits gegen 22:00 Uhr auf der Studiobühne des BluNoise-Fest loslegen wird. Das hier monatlich stattfindende Fest ist eine private Gemeinschaftsveranstaltung der Musikstudios Isobel Music und dem Blubox, die sich am Wetschewell in Mönchengladbach-Odenkirchen nicht nur die Räumlichkeiten teilen, sondern sich auch produktionstechnisch gegenseitig unterstützen. Alle bisherigen Feste wurden auf freiwilliger Spendenbasis durchgeführt. Dementsprechend familiär und locker ist die Atmosphäre vor Ort. Alex Gräbeldinger eröffnet den Abend mit einigen unterhaltsamen Kurzgeschichten seines kürzlich erschienenen Buches „Letzte Ausfahrt Marilyn“, bevor die GENETIKS den musikalischen Teil des Abends eröffnen. Schlau von den freiwilligen Helfern und Machern vor Ort den Raum für diesen Abend etwas großzügiger aufzuteilen, denn so kommen gut und gerne 60 Leute in den Genuss, eine der schärfsten deutschsprachigen Postpunk-Bands zu erleben. Die GENETIKS tragen heute ihr Bonzen-Outfit, passend zum Titel der aktuellen Tour „Mit Gewalt Gutes tun“. Der Sound ist sehr gut, man kann sogar die Texte gut verstehen, was bei Konzerten solcher Größenordnung ja nicht immer selbstverständlich ist. Die Band reißt ein gnadenlos gutes Set runter und kann das Publikum begeistern. Im Anschluss bei KOETER sind deutlich weniger Leute im Raum, was sich irgendwie auch auf den Sound nieder schlägt, was aber egal ist, da KOETER freudig vom Mönchengladbacher Publikum empfangen werden: Heimspiel für die Exil-Kölner, gute Laune überall, gutes Konzert. Gegen Mitternacht sitzt Philip Nußbaum im roten Sessel und liest ebenfalls Kurzgeschichten, nicht ganz so lustig wie die seines Vorgängers, sondern deutlich düsterer, was mir tendenziell aber sogar besser gefällt. Im Thekenbereich sitze ich noch mit GENETIKS-Sänger Maik und wir quatschen über den Auftritt und noch anderes. Zum Abschluss spielen MAJMOON ein erfrischend noisiges Set, laut und treibend, mit Hang zur Melodie und zur Melodiezerstörung: herrlich! Die Mischung aus Lesung und Musik machte vom Ablauf total Sinn, in der Summe war mir das aber fast schon zu viel, eigentlich würden mir zwei Bands + irgendwas anderes vollkommen reichen. Zur nächsten GENETIKS-VÖ (Mai 2014) habe ich die Band jedenfalls schon mal direkt eingeladen, die neue Platte auf jeden Fall bei KOPFPUNK vorzustellen: ich freu mich da schon schon drauf.

Marko Fellmann